Die Herrschaft meines Verstandes
Viele Jahrzehnte hatte mein Verstand die Herrschaft über mein L(i)eben. Er hat mich bis in die Erschöpfung getrieben, weil er einfach keine Ruhe gab. Immer wusste er es besser, versuchte über schnelles vieles Denken Lösungen zu finden (was natürlich nicht von Erfolg gekrönt war). Ich war so erzogen worden, mich mit meinem Verstand - meinem persönlichen Denken - zu identifizieren. Und 'hart zu arbeiten': Im Job, an mir, in Beziehungen - "Erst die Arbeit, dann das Vergnügen". Viele "ich müsste" und ich sollte". So 'funktioniert' unsere Gesellschaft - mehr schlecht als recht.
Über all die Jahre dämmerte es mir nur sehr langsam, dass mein Verstand kein guter Ratgeber war, wenn es um emotionale Dinge ging. Auf der Suche nach Entspannung und Leichtigkeit im L(i)eben wurde ich mir meiner Prägungen immer bewusster und lernte, mich wieder zu fühlen. Dennoch plapperte es in meinem Kopf weiterhin pausenlos und ich schenkte dem viel Aufmerksamkeit und Bedeutung. Bis mir allmählich klar wurde, dass es wenig Sinn macht, alles zu glauben, was ich denke. Ich fing an, den Zusammenhang zwischen Gedanken und Gefühlen zu begreifen. Und zu sehen, dass ich in jedem Moment meines Lebens eine Wahl habe, sobald ich mir dessen bewusst werde: Ich kann mich in negativen Gedanken verlieren, ihnen Glauben schenken, sie weiter anfeuern und leiden - oder ich kann mich ins Hier und Jetzt zurückholen und präsent sein.
Dort, in der Ruhe unter den Gedanken, liegt alles, was ich für ein entspanntes, zufriedenes, erfülltes L(i)eben brauche. Es steht mir jederzeit zur Verfügung - unabhängig von meinen L(i)ebensumständen.