Sexuelle (Un)Lust

Was, wenn sexuelle Lust verschwindet? Du es nicht einfach auf die Wechseljahre schieben möchtest? Dir kein Fachbuch und keine Fachfrau so wirklich weiterhilft? Dann höre auf dich und deinen Körper. Was sagt er dir? Was sagt dir deine Yoni (weiblichen Geschlechtsorgane)? Letztere weiß am besten, was sie will und was nicht. Wenn du Schmerzen hast: Gehst du liebevoll sanft mit ihnen um oder über sie hinweg? Hast du zu oft über deine Grenzen hinweggehen lassen? Hast Männern zuliebe unangenehmen Sex über dich ergehen lassen? Viel zu früh Sex mit Männern gehabt, obwohl du noch nicht bereit dafür warst?

Nicht der Mann entscheidet, wann es Zeit für Vereinigung ist, sondern deine Yoni! Und das zeigt sie dir, ob sie soweit ist - wenn du auf sie hörst. Wenn sie bereit ist, den Lingam (männliche Geschlechtsteile) aufzunehmen, öffnet sie sich und lässt ihn ein. Ich musste Mitte 40 werden, um das zu erfahren.

Ist deine Lust spontan (wie bei vielen Männern) oder responsiv und damit kontextabhängig? Welche Rahmenbedingungen fördern ein lustfreundliches Umfeld für dich? Dich sicher fühlen (zu viel Beziehungsstress und ein ständig alarmiertes Nervensystem sind Lustkiller), Zeit haben (man kann sich für körperliche Begegnungen verabreden), schöner Raum, Beleuchtung, Temperatur, Musik, Geruch, Ungestörtheit, Aufwärmphase für emotionale Annäherung und Verbindung, erwartungsfreie sinnliche Berührung etc.

Was sind deine Lust-Antreiber, was deine Bremsen? Beide können gleichzeitig aktiv sein, was es komplex macht.

Ist es immer klar, ob ihr gerade eher im Kuschelmodus seid oder Berührung im sexuellen Kontext stattfindet? Klarheit darüber entspannt - insbesondere, wenn du Übergriffserfahrungen erlebt hast.

Erwartungen - die eigenen und die deines Partners - sind absolut kontraproduktiv und verhindern Offenheit. Auch extreme Bedürftigkeit (Sex 'brauchen') kann für den Partner abturnend sein.

Ich möchte dich einladen zu experimentieren, forschen, spielerisch zu erkunden, was dir gefällt und was nicht. Neugier ist dabei die wichtigste Zutat. Und keine Angst davor, "Fehler" zu machen. So lernen wir. Lerne dich zu spüren, deine Wünsche, deine Grenzen. Und sie zu kommunizieren. Trau dich! Nur so können sich Begegnungen weiterentwickeln. Und wann immer du unsicher bist - verlangsame. Nimm Tempo raus und spür, was sich gerade gut und richtig anfühlt. Mach Pause. Es gibt kein Ziel zu erreichen, keine Leistung zu erbringen. Das einzige Ziel ist, dass es dir gut geht und du dich wohlfühlst. Wenn du dich nach einer Begegnung genährt und satt fühlst - ist das ein guter Wegweiser.

Die von uns gelernten gesellschaftlichen sexuellen Skripte - deutlich zu sehen in Pornos - leben uns anderes vor: Eine extrem männliche geprägte (patriarchale) Sexualität, die auch wir Frauen tief verinnerlicht haben. Die Zielorientierung, kontinuierliche Luststeigerung, OrgasMUSS, Genitalfixierung, viel Reibung und Stoßen, "der Mann nimmt die Frau" (als Bedürfnisbefriedigungsobjekt) propagiert, auch wenn es so viele andere schöne Spielarten von Sexualität gibt. Die du aber erst entdeckst, wenn du hinter diese Skripte schaust und hinter das Benutzen von Sex für Druckabbau, Bestätigung, begehrt werden, Performance, geben und zu bekommen u.ä. Wenn du - ohne Zielorientierung und aus der Entspannung heraus - ganz im Hier und Jetzt bist, deinen Körper spürst, bei allem was du tust. Wenn es um echte Begegnung geht - eröffnen sich neue Universen.

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“Du erinnerst mich an den kleinen Prinzen…